Mein Fahrrad ins Glück

Mein Fahrrad ins Glück

In der heutigen Zeit sind wir überflutet von Eindrücken, Angeboten, Anforderungen. Das was wir im Wesentlichen sind, hat wenig Möglichkeiten zum Vorschein zu kommen. Wir leisten, er-ziehen, konsumieren und leben dahin. Die Kostbarkeit des Lebens ist uns einerseits abhanden gekommen. Andererseit führt uns der Mangel an Zeit, Ruhe & Muße auch wieder heran an das was uns „fehlt“. Wir sehnen uns nach Erholung. Nach uns selbst. Zahlreiche Angebote zum Thema Gesundheit, Wellness und Entspannung schießen wie Pilze aus dem Boden und ja wir brauchen sie, denn längst sind die meisten von uns nicht mehr entspannt und gesund. Nahrungsergänzungsmittel, Kurzurlaube und Yoga boomt wie nie. Ist es ein Bewusstseinswandel, der sich in uns vollzieht? Wollen wir zurück in die Zeit, in der wir einfach gelebt haben, ohne viel Schnickschnack um uns herum? Oder wollen wir einfach noch mehr von allem und sind die vielen Angebot um uns herum im Bereich Wellness nur eine weitere willkommene Ablenkung vom Wesentlichen? Können wir noch einfach sein. Ich meine – einfach – sein? Ganz natürlich mit dem Leben fließen, genießen was wir haben, ohne daran zu denken, was wir alles noch schaffen und werden müssten um endlich richtig zu sein?Endlich in die Gesellschaft passen, endlich erleuchtet, endlich Mutter und Vater entsprechen – sind wir nun 13 oder 55 – letzendlich wollen wir doch alle nur das eine. Nein. Nicht was Sie jetzt vielleicht denken, obwohl es zugegeben auch hier diese kleinen Augenblicke des vollkommenen Loslassens gibt…

So banal wie es klingen mag. Wir wollen geliebt werden. Finden wir Liebe im zehnten Kleidchen von Modemarke xy? Finden wir Liebe in unserem funkelnden und glänzenden neuen Vorzeigemobil? Finden wir Liebe in der nächsten quietschigen Plastikverpackung von Etwas, was uns für einen kurzen Augenblick „Glück“ und „Zufriedenheit“ verspricht?

Was macht uns eigentlich glücklich?

Also bei mir war das mal ganz einfach.

Ich hab mich auf das Fahrrad geschwungen und bin losgefahren. Die Vögel sangen und die Blätter und Blüten, der Himmel über mir, die Steine am Wegesrand – irgendetwas habe ich immer gefunden, was mein Herz erhellt hat und mich tief in meinem Inneren zu etwas sehr kindlichem bewegte: das Staunen.

Heute brauche ich manchmal ewig um mich überhaupt mal auf das Fahrrad schwingen zu können.

Da sind die Kinder, das Haus, die beruflichen Lebensträume und Schäume und ich. Doch manchmal. Manchmal ist er da, der kleine Moment nur für mich allein. Ein Augenblick der wilden Freiheit die mich nicht überkommt, wenn ich an mein Traumhaus, Traummann oder Traumauto denke – so wie es mir die Kreditwerbung neulich versuchte vorzugaukeln. Vollkommen verblüfft las ich: Endlich wieder Freiheit – oder so ähnlich. So ist das also. Endlich wieder Freiheit… die junge Frau auf dem Plakat hatte den Blick sehnsuchtsvoll aus dem Fenster hinaus in die Ferne gerichet. Ich brauche also einen Verschuldungsbrief bei der Bank um wieder Freiheit genießen zu können? Gott sei Dank brauche ich das in meiner Welt am allerwenigsten.

Ich hab ja mein Fahrrad.

Der Himmel, die Natur und ich. Das ist alles was ich brauche um mich wieder zu fühlen und frei zu tanzen wie ein Schmetterling. Mit Verlaub… schei.. auf den Kredit und die Schäume von noch mehr buntem Plastikartikeln in meinen Schränken, Schubladen und Regalen. Danke Gott! Danke, dass es noch immer eine Freiheit gibt, die man nicht kaufen kann. Nun gut. Das Fahrrad hat auch etwas gekostet. Nicht mich. Denn es war ein Geschenk. Aber eines von Wert. Nicht des Fahrrads willens – versteht sich… Aber den Himmel, die Sterne und die Sonne kann manch einer auch ganz ohne den Drahtesel genießen. Gott sei Dank. Übrigens hatte ich ihn heute wieder – diesen klitzekleinen kostbaren und kostenfreien Moment des ganz bewussten, einfachen Glücks. Sie auch?

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